Ulrich Johannes Schneider: Der Finger im Buch

Bücher
1. März 2021
Text: Christiane Grathwohl

Ulrich Johannes Schneider: Der Finger im Buch. Die unterbrochene Lektüre im Bild.
Piet Meyer Verlag, Bern / Wien 2020, 184 S., 28,40 Euro / 36.90 Franken.

www.pietmeyer.ch

Ein wunderbarer Einstieg in dieses Buch ist das 500 Jahre alte Porträt eines unbekannten jungen Mannes aus Florenz, der noch ganz in Gedanken bei seiner Lektüre zu verweilen scheint. Mit umflorten Blick schaut er mit einem Auge aus dem Bild, das andere Auge schielt in eine abgelegene Ferne, während sein Finger die Stelle im Buch markiert, an der er unterbrochen wurde. Dieser besondere Augenblick fasziniert den Büchermenschen und Bibliotheksdirektor der Universität Leipzig Ulrich Johannes Schneider. Über Jahre ist er dem seltenen Bildmotiv in den Museen der Welt nachgegangen. Anhand der dreißig ausgewählten Kunstwerke entwickelt er sein Nachdenken über den Vorgang des Lesens in seinen vielfältigen Dimensionen. Bei seinem Versuch die Lese- und Literaturgeschichte mit der Kunstgeschichte zu verbinden ist ein gebildetes und originelles Essay entstanden, das geradezu zur unterbrochenen Lektüre auffordert, denn in der Unterbrechung liegt die Möglichkeit zur Fortsetzung.