Buchladen.
AKKU Projektraum, Gerberstr. 5c, Stuttgart.
Mittwoch bis Freitag 14.00 bis 18.00 Uhr.
26. September bis 24. Oktober 2026.
www.kuenstlerbund-bawue.de
Für jemanden, der wie Claudia de la Torre (*1986) fünfzehn Jahre Erfahrung im Büchermachen hat, ist nicht zu lesen, keine Option. Und doch ist der Blank verräterisch. „Dear Reader / Do read“ kann man auf einer ihrer Editionen lesen. Bei Ulises Carrión (1941-1989) hieß es noch „Dear Reader – Don’t read“, daher die Leerstelle. De la Torres Arbeit ist eine Hommage an den Künstler, der wie sie aus Mexiko stammte und in den 1970er Jahren in Amsterdam einen Buchladen führte. Die neuesten Romane musste man hier erst gar nicht suchen, Carrión war auf Künstlerbücher, Editionen, Magazine und Soundkunst spezialisiert, zudem diente der Laden als Treffpunkt.
Die Ausstellung „Buchladen“ im Stuttgarter Projektraum AKKU, den sich der Künstlerbund Baden-Württemberg mit der Stuttgarter Akademie teilt, will vielleicht etwas ganz Ähnliches: zeigen, was produziert wird, Publikationen und Buchkunst vorstellen und ein Treffpunkt werden für all jene, die lesen. „Buchladen“ ist die unjurierte Mitgliederausstellung des Künstlerbundes Baden-Württemberg, an der gut 150 Kunstschaffende teilnehmen. Claudia de la Torre, die ihren Kleinverlag Backbonebooks in Berlin führt, gehört dazu, aber auch die Freiburger Künstlerin Annette Merkenthaler (*1944), die unter anderem ein Leporello vorstellt. Und was der Kölner Künstler Kriz Olbricht (*1986) über sein Künstlerbuch „Blackbook“ sagt, dürfte für viele Beteiligten gelten; es ist „Objekt, Dokumentation, Denkraum, Sammlung und Präsentation“. Und absolut wert, sich darauf einzulassen.
Denn das ist ja das Verblüffende, es gibt kaum Buchhändlerinnen und Buchhändler, die nicht stöhnen, oder Verlage, die sich um ihren Umsatz sorgen, doch die Begeisterung, mit der insbesondere Kleinstverlage Bücher veröffentlichen, ist unübersehbar. Auch wenn es nichts daran ändert, dass die Branche kränkelt. In die Nachrichten gelangte dies spätestens mit der Insolvenz des renommierten Steidl-Verlags. Die ist zwar mittlerweile abgewendet, doch die Schwierigkeiten, wie sie der mittlerweile 75-jährige Verleger Gerhard Steidl im Deutschlandfunk benannte, bleiben bestehen. Es sind globale Probleme eines globalen Marktes. Wer viel exportiert, etwa in die USA, leidet unter Zöllen, und wer Geschäfte mit China macht, ist darauf angewiesen, dass die Zensur nichts Anstößiges findet. Die Grenzen, hier etwas vage zu lassen, war immer schon systemimmanent für die Zensur. Hinzu kommt, dass das Geschäft mit Ausstellungskatalogen leidet. Gehörte der Kauf eines Kataloges in den 1990er Jahren noch für gut zehn Prozent der Ausstellungsbesucherinnen und -besucher dazu, sind es heute nur noch ein bis zwei Prozent, die das Gesehene im Buch vertiefen wollen. Das mag mit hohen Eintritten zusammenhängen, sicherlich aber mit gestiegenen Lebenshaltungskosten und dem finanziellen Aufwand für die Buchproduktion. Darüber hinaus scheinen Bücher für viele grundsätzlich nicht mehr wichtig zu sein. Der Aufruf: „Liebe Leserinnen und Leser, lest“ ist also mehr als angebracht.



