Timothy Lee Standring bei den Swiss Art Awards, Messe Basel, Halle 1.1.
Montag 18.00 bis 22.00 Uhr, Dienstag bis Samstag 10.00 bis 20.00 Uhr, Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr.
15. bis 21. Juni 2026.
swissartawards.ch
Ilenia, London, an der Liste Art Fair Basel, Messe Basel, Halle 1.1.
Montag 18.00 bis 20.00 Uhr, Dienstag bis Samstag 12.00 bis 20.00 Uhr, Sonntag 11.00 bis 16.00 Uhr.
15. bis 21. Juni 2026.
liste.ch
Das sind doch Dazzle Ships, die da an der Wand hängen. Die skulpturalen Assemblagen von Timothy Lee Standring erinnern mit ihren schrillen Dessins an die Dazzle-Tarnung, mit der britische Kriegsschiffe im Ersten Weltkrieg bemalt wurden. Die kontrastreichen und geometrisch auffälligen Muster sollten es feindlichen Streitkräften erschweren, Grösse, Form, Entfernung und Geschwindigkeit der Schiffe zu bestimmen. Hiding in plain sight – sichtbar unsichtbar sind auch die Skulpturen, die Standring nun in Basel zeigt. Sie sind aus wiederverwerteten Reststücken gefertig und mit Tapete, Geschenkpapier oder Möbelstoffen verkleidet. In der Summe erinnern die Gebilde gleichermassen an eine Holzskulptur von Kurt Schwitters wie an den Geschenkeberg eines entfernten Onkels zu Weihnachten. Die Assoziation mit der Warenauslage kommt nicht von ungefähr, Standring interessiert sich für die kulturellen Implikationen von Dingen und Displays.
Dies kommt auch in anderen Arbeiten zum Ausdruck, in denen Standring massenproduzierte Kitschfiguren in die Skulpturen integriert. Die Figürchen, auf Online-Marktplätzen ersteigert, zeigen allesamt betrunkene Personen, die sich an einer Strassenlaterne festhalten. Absurd, in wie vielen unterschiedlichen Formen genau dieser Anblick durchdekliniert wird. In „The Assets“, 2025, zeigt Standring zwölf dieser Figuren auf einem kleinen, dunkel bemalten Holzregal. Hier, so scheint es, können sie in Ruhe ausnüchtern. Mit seiner Skulptur hat er den Objekten gleichsam ein Zuhause geschaffen. So formuliert sich die Assemblage von Standring als Investigation in die Formen und Muster, die von Klassenzugehörigkeit sprechen. Geschmack erweist sich als überraschend konform.
Timothy Lee Standring, 1981 in München geboren, studierte Fotografie an der ZHdK und Fine Arts am Royal College of Art in London. Inzwischen hat sich der Schweizer Künstler auch in Bregaglia ein Zuhause geschaffen. Ob er sich ebenso von der Umgebung inspirieren lässt wie schon Giacometti, Segantini oder Varlin vor ihm?

