Whispers of Japan – Luciano Castelli.
Kulturstiftung H. Geiger – KBHG, Spitalstr. 18, Basel.
Mittwoch bis Montag 11.00 bis 18.00 Uhr.
21. November 2025 bis 5. Februar 2026.
kbhg.ch
Auf Franz Gertschs Bild „Medici“ von 1971/72 ist Luciano Castelli (*1951) der zweite von links. Zusammen mit seinen Kumpels steht er vor der Absperrung am Kunstmuseum Luzern, das zu diesem Zeitpunkt renoviert wurde. Medici war eine in Luzern ansässige Baufirma. Castelli ist noch nicht einmal der extrovertierteste der fünf jungen Männer. Die lockigen dunklen Haare trägt er schulterlang, die Hände greifen vor der rot-weißen Absperrung ineinander. Keine Frage, diese Männer in Jeans, schwarzen Hosen, in Jeans- und Lederjacken wollten und sollten keine Zaungäste bleiben. Gertsch hat Castellis WG in der Jugendstilvilla Reckenbühl zur bekanntesten der Schweizer Kunstgeschichte gemacht. Castelli wurde, bevor er 1978 nach Berlin gehen sollte, eines der liebsten Modelle von Gertsch. Die Atmosphäre in der Villa, die sexuelle Energie, das glamouröse Changieren zwischen den Geschlechtern, das Androgyne muss ihn fasziniert haben. Er hielt es in der für ihn so typischen fotorealistischen Malweise fest.
In den 1980er Jahren freundet sich Castelli in Berlin mit Rainer Fetting und Salomé an, er macht mit den „Geilen Tieren“ Musik und es entstehen japanisch inspirierte Arbeiten. Auf Bildern verschwinden Gesichter in einem bunten All Over von Farbflecken und bei seinen zahlreichen fotografischen Selbstporträts ist sein Gesicht mal weiß geschminkt, mal trägt er von japanischen Getas inspirierte Schuhe. Es ist die Zeit des Glam Rock. Castelli greift Themen wie Identität, Sexualität und Verwandlungen auf. Die Grenzen zwischen Kunst und Leben waren mehr als durchlässig.
Die Ausstellung in der Kulturstiftung Basel H. Geiger setzt bei Castellis Faszination für Japan an. „Whispers of Japan – Luciano Castelli“ ist ein doppeldeutiger Titel, der im Unklaren lässt, ob das Land flüstert oder ob jemand vom Land flüstert. Das passt zu dem Mythos, der lange dadurch genährt wurde, dass Japan bis Mitte des 19. Jahrhunderts sich vom Rest der Welt isolierte und derart unverbraucht zu einer wichtigen Inspirationsquelle für die westliche Kunst wurde. Nicht zuletzt aber passt es dazu, dass Castelli selbst im letzten Jahr erstmals das Land bereiste. Sein Japan-Besuch transformiert nun sein Werk. Die großen Paravents, die unter anderem in Basel zu sehen sind, entstanden in der Werkstatt in Tokio. Castelli nutzt sie als Untergrund für seine Malerei. Für diese setzt er verstärkt besenartige Pinsel ein. Es sind lebhafte Pinselstriche, deren gestische Natur an frühere Arbeiten erinnern, aber auch an den Tanzstil des Butoh, mit dem er sich fotografisch auseinandersetzt.

