The Naked Room

Kateryna Lysovenko
Kateryna Lysovenko, School, 2021, Courtesy the artist
Porträt
7. Juni 2022
Text: Annette Hoffmann

Lucy Ivanova, Katya Buchatska und Kateryna Lysovenko bei The Naked Room, Kiew, Liste Art Fair, Messe Basel, Halle 1.1

Lucy Ivanova, Akrida, 2021, Courtesy the artist
Katya Buchatska
Katya Buchatska, Leg, 2021, Courtesy the artist

Seit Artur Korniienko Mitte Januar im Onlinemedium Kyiv Independent über Pawlo Makows Installation auf der Biennale von Venedig schrieb, dass man sie zum Anlass nehmen könnte, Empathie mit der Ukraine zu empfinden, ist viel passiert. Makows Arbeit „Fountain of Exhaustion. Aqua alta“ war in den 1990er Jahren entstanden als Reaktion auf die Wassermisswirtschaft in seiner Heimat und wurde in den letzten Jahren für ihn zu einem Symbol einer umgreifenden Erschöpfung, der Gesellschaft, der Werte. All das kulminiert nun im Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Dass die Arbeit überhaupt in Venedig gezeigt werden kann, ist seiner Kiewer Galerie The Naked Room zu verdanken. Sie wurde früh aus dem Land geschafft. Maria Lanko und Lizaveta German, die The Naked Room zusammen mit Mark Wilkins 2018 gründeten, sind geflohen wie auch die meisten von ihnen vertretenen Künstlerinnen und Künstler.

The Naked Room wollte immer mehr als eine reine Kunstinstitution sein, ein Buchladen ist angegliedert, wo Aperture oder Publikationen von Motto zu bekommen sind und eine Bar. Sie haben verschiedene Formate unter einem Dach vereint, um mehrere Gründe zu geben, vorbeizuschauen, haben die Galeristinnen einmal gesagt. Seit Kriegsanfang sind sie nicht allein Kommunikatoren in eigener Sache, es geht um nichts anderes als die politische Nation der Ukraine. Und wenn The Naked Room nun auf der Liste Art Fair Basel die Künstlerinnen Lucy Ivanova, Katya Buchatska und Kateryna Lysovenko vertritt – ihre Ateliers konnten aus Kiew evakuiert werden –, dürften die Gespräche nicht allein die Kunst zum Gegenstand haben. Dass die Künstler des russischen Pavillons Kirill Savchenkov und Alexandra Sukhareva ihre Beteiligung an der Biennale von Venedig aus Scham wegen des Krieges absagten, dürfte im Interesse von The Naked Room gewesen sein. Kunst ist für sie gerade nicht dazu da, Brücken zu bauen. Gerade geht es um Menschenleben, und wie die Kunst diesen Krieg festhält und dieser irgendwann erinnert wird. Und so sind sie in den letzten Monaten wichtige Netzwerker geworden, die auf den sozialen Medien dem Wartime Art Archive und dem Ukranian Emergency Art Fund Öffentlichkeit verschaffen.