Cassidy Toner

Cassidy Toner, Butt of some cosmic joke
Cassidy Toner, Butt of some cosmic joker #1, 2021, Foto: Gina Folly
Porträt
20. September 2021
Text: Martha Martin-Humpert

Cassidy Toner beim Kiefer Hablitzel Kunstpreis, Messe Basel, Halle 3, und bei Galerie PhilippZollinger, Zürich, Liste – Art Fair Basel, Halle 1.1.

Cassidy Toner, Wile E. Coyote
Cassidy Toner, Wile E. Coyote Feels the Pang-of-Conscience. (How Do You Feel about Your Identity Being so Easily Reduced to this Caricature?), 2019, Foto: Conradin Frei

Zum Erwachsenwerden gehört auch, die Cartoons seiner Kindheit anders zu betrachten. Früher, da freute man sich, wenn der Road Runner, dieser gewiefte Vogel aus der Looney Tunes Welt, seinem immer hungrigen Rivalen Wile E. Coyote mal wieder ein Schnippchen geschlagen hatte. Doch das Blatt dreht sich, aus höhnischer Schadenfreude wir Mitleid: In der Arbeit „Wile E. Coyote Regrets Killing the Road Runner (Pieta)“ von Cassidy Toner stirbt der Road Runner in spätmeisterlicher Manier in den Armen des immer gierigen Verfolgers. Dieser muss erkennen, dass ihn das finale Erreichen seiner Vorstellung nicht ins Glück, sondern in eine absolute Leere fallen lässt. So schlägt die 1995 in Baltimore geborene Cassidy Toner ohne Umschweife den Haken zu Camus’ Sisyphos, den wir uns als einen glücklichen Menschen vorstellen müssen. Im Angesicht der scheinbaren Sinnlosigkeit der Existenz fragt auch der Koyote beim Blick in sein Inneres: Was hält mich denn am Laufen? Cassidy Toners eigener Antrieb: Humor mit Absurdität verbinden. Den Vorlauf ihrer künstlerischen Praxis vermutet sie in Aktionen wie dem Einkleistern des Familienautos in Ketchup. Geführt hat sie das nach Basel, zu einem Studium an der FHNW, dieses Jahr ist sie für einen Kiefer Hablitzel Preis nominiert. Dabei rechnet sie eigentlich nie unbedingt damit, dass ihre Ideen ankommen. Aber: wenn du erwartest, dass du scheiterst und es dann auch tust, ist das nicht irgendwie auch ein Erfolg? Die melancholische (Selbst-)Ironie ist ihre Spielwiese. Dort, wo Tragisches und Komisches sich die Hand geben und das Groteske fragil und verletzlich erscheint. Wie auch ein anderes Tier, das in ihren Arbeiten auftaucht – das Opposum. Die nicht gerade für ihre Possierlichkeit bekannte Beutelratte stellt sich bei Gefahr tot, erstarrt in völliger Bewegungslosigkeit, das Gesicht zu einer skelettartigen Fratze verzogen. 2019 wurde dieses plötzliche Unscheinbarwerden zum Konzept der ganzen Ausstellung „Possum“ im Kunstraum Saint Luke in Zürich. Denn: das ausgeleuchtete Schaufenster mit den Arbeiten verdunkelte sich, sobald der Betrachter näher herantrat. Totale Thanatose aus purer Absicht, um Erklärungen geht es Cassidy Toner selten. Ihre Werke sind mehr ein spielerischer Mittelfinger an ästhetische Traditionen und Wertvorstellungen. Wie sie selbst sagt: „Art is great because you can always say ,fuck you’ and not explain or change anything”.