Ceylan Öztrük

Ceylan Öztrük, Call me Venus
Ceylan Öztrük, Call me Venus, 2016, Foto: Zeynep Özkanca, Courtesy the artist
Porträt
17. September 2021
Text: Annette Hoffmann

Ceylan Öztrük an den Swiss Art Awards, Messe Basel, Halle 3, sowie im Fri Art, Fribourg, 3. Oktober 2021 bis 6. Januar 2022.
www.fri-art.ch

Ceylan Öztrük, Orientalien
Ceylan Öztrük, Orientalien, 2020, Foto: Flavio Karrer, Courtesy the artist

Wenn Sweat-Shirts mit dem Aufdruck „Peace Petitioner“ oder „Scholar at Risk“ nass wie Pudel über Geländer oder Brüstungen hängen, kann es nicht gut mit der akademischen Freiheit bestellt sein. Die tropfenden Shirts sind eine Edition von Ceylan Öztrük (*1984) für das Zürcher Magazin Brand-New-Life aus dem Jahr 2018. Zwei Jahre zuvor als Ceylan Öztrük in der Türkei ihren Ph.D. machte und unterrichtete, hatte sie selbst die Petition Academics for Peace unterzeichnet. Wie viele andere türkische Akademikerinnen und Akademiker zog es danach auch Öztrük vor, ins Ausland zu gehen. Innerhalb ihres Werkes wirkt diese Edition ein bisschen fremd, doch nur auf den ersten Blick. Denn schaut man sich „Die Venus von Willendorf“ an, eine ihrer früheren Arbeiten aus dem Jahr 2014, geht es auch da um die Freiheit des Denkens. Öztrük steigt die imposante Innentreppe des Naturhistorischen Museums Wien hoch, bahnt sich ihren Weg zur schmalen Glasvitrine, in der das gut 30.000 Jahre alte Objekt ausgestellt ist und hinterlässt am Sockel einen Flyer, in dem sie eine etwas andere Lesart anbietet. Eine Fruchtbarkeitsstatue? Da hat sich wohl die männliche Dominanz bei der Produktion von Wissen und seiner Präsentation durchgesetzt. Und wenn die Venus von Willendorf einfach die Verkörperung weiblichen Selbstbewusstseins und der Lust am eigenen Körper wäre?

In der Folge sind Objekte entstanden, die nicht nur gut in der Hand liegen, immer aber auch Skulpturen aus Keramik oder Ton sind, die phallisch sind, aber einen erkennbar weiblichen Körper haben. Zuletzt hatte die Wahl-Zürcherin die Kunst-Sextoys in der Galerie Nev in Ankara gezeigt. In der Schweiz sind ihre Performances bühnenreifer geworden. Vielleicht weil sie stärker mit Zuschreibungen konfrontiert war und es hier aber auch die passenden Produktionshäuser gibt. „Orientalien“ etwa setzt sich mit Stereotypen auseinander, die an der „orientalischen“ bzw. „orientalisierten“ Frau immer noch haften. Erst in Mitteleuropa hat sie sich mit dem Bauchtanz befasst. Öztrük hat dafür ein Setting geschaffen, das einem Spiegelkabinett ähnelt und in dem sich die Blicke kreuzen können.