Mitchell Anderson

Mitchell Anderson, The beautiful
Mitchell Anderson, The Beautiful and Damned, Fortunate Son, 2021, Installationsansicht, Courtesy of the artist, Maria Bernheim and Efremidis Gallery
Porträt
15. September 2021
Text: Chris Gerbing

Mitchell Anderson an den Swiss Art Awards, Messe Basel, Halle 3, und bei der Efremidis Gallery, Berlin, Liste – Art Fair Basel, Halle 1.1.

Mitchell Anderson, MA
Mitchell Anderson, The Beautiful and Damned, 2021, Installationsansicht, Courtesy of the artist, Maria Bernheim and Efremidis Gallery

Mitchell Anderson (*1985) ist ein Wanderer zwischen den Welten: Er verwendet Objekte, die mit anderen Zusammenhängen konnotiert werden, und bringt sie mit seinen eigenen Vorstellungen in Verbindung. Dabei geht es ihm sowohl um Humor und die Tragödien menschlicher Existenz als auch um gegenwärtige und vergangene Widersprüche. Auch im persönlichen Leben kann man ihn als Wanderer zwischen den Welten bezeichnen. So ist nicht nur als Künstler tätig, sondern rief auch den Zürcher Kunstraum „Plymouth Rock“ ins Leben; zudem lebt er im beschaulichen Walchwil am Zuger See, in Zürich und in Marfa/Texas, das durch die von Donald Judd gegründete Chinati Foundation weltweit bekannt wurde. „Mein Lieblingsbild ist jeweils das, welches in der Zukunft liegt“, meinte Anderson unlängst über seine Arbeiten in einem Interview. Dabei geht es ihm um aktuelle Fragestellungen, gesellschaftliche Themen und die Repräsentationen von Klassenprivilegien, Macht sowie die damit verbundenen Paradoxien unserer Zeit. Von klassischen Gemälden, über Enkaustiken bis zu Neonobjekten und Objets trouvés spannt sich die Palette seines künstlerischen Ausdrucks, mithilfe dessen er auf die „grauen Bereiche“ unserer Gesellschaft reagiert, sie sichtbar machen und in Kategorien einordnen will. Auch den Kunstmarkt spart er nicht aus, wenn er gefundene Dinge in eine Pappkiste legt und „Gratis zum Mitnehmen“ darauf schreibt. Die Frage nach dem Aneignen, nach dem Besitz, respektive von Kunstwerken, wird in einer Galerie noch schwieriger, denn letztlich geht es dort um den Erwerb von Kunst. Aber ist das, was Anderson auf diese Art schafft, überhaupt Kunst? In jedem Fall bietet der Künstler dem Betrachter die Gelegenheit, über sich, seine Rolle im System und über die kollektiven Codes zu reflektieren. Es sind meditative Werke, die Themen unserer Zeit aufgreifen, verfremden und damit andere Zugangs- und Reflexionsebenen bieten – damit wird auch der Betrachter gleichsam zum Wanderer zwischen den Welten.