Mimi von Moos: Die Verwandte

Mimi von Moos Die Verwandte
Drei Mädchen, aus: Mimi von Moos, Die Verwandte, Edition Patrick Frey, Zürich 2019, courtesy the artist
Bücher
5. März 2021
Text: Annette Hoffmann

Mimi von Moos: Die Verwandte.
Edition Patrick Frey, Zürich 2019, 220 S., 58 Euro / ca. 59.90 Franken.

Schönste Schweizer Bücher: Vernissage mit Gesa Schneider, Mimi von Moos und Dan Solbach am 9. März 2021, 18.30 Uhr, Literaturhaus Freiburg.

Literaturhaus Freiburg

Familienfotos, insbesondere von Verwandten, die man nicht kennen gelernt hat, gleichen Tiefenbohrungen. Sie haben etwas mit einem selbst zu tun, ohne dass sich dies konkretisieren ließe. Und sie sind eine Übung, an den Tod zu denken. Denn die Abgebildeten leben meist nicht mehr und so wird es einem selbst auch einmal gegangen sein. Mimi von Moos (*1969) stieß auf die Fotos, nach dem Tod ihres Großvaters. Der Band, der daraus entstand, wurde in diesem Jahr mit der Auszeichnung Schönste Schweizer Bücher 2019 gewürdigt. Die besagte Verwandte ist ihre Urgroßtante Anne-Marie von Wolff (1893-1974). Deren Schwarzweißfotos von Kindern, der Landschaft, der Sommerfrische hat von Moos digitalisiert, neu geordnet und kommentiert. Die Erzählungen ihrer Verwandten werfen einen Blick aus vielen Perspektiven auf ein Leben, ohne ihm gerecht werden zu können, die Texte der Künstlerin reflektieren dies und schreiben dies weiter. Das Künstlerinnenbuch denkt so auch über Zeitgeschichte nach und über die Rollenbilder, die während dess Zweiten Weltkrieges und in der Nachkriegszeit für Mädchen und Frauen vorgesehen waren. Die Fotografie, Anne-Marie von Wolff entwickelt ihre Aufnahmen in der eigenen Dunkelkammer selbst, war ein Weg in die Welt.