Expandes Fields, TRADIcTION.
Hof Blum, Froh Ussicht 1, Samstagern.
Freitag 14.00 bis 20.00 Uhr, Samstag 13.00 bis 20.00 Uhr, Sonntag 13.00 bis 18.00 Uhr.
Bis 27. September 2026.
frohussicht.ch
Traumwelten.
Kulturort Weiertal, Rumstalstr. 55, Winterthur.
Samstag und Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 6. September 2026.
galerieweiertal.ch
Bex Arts 2026.
Szilassy Park, Rue du Signal 20a, Bex.
Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.30 Uhr.
Bis 3. Oktober 2026.
bexarts.ch
Galerie Stihl, Eva Mayr-Stihl-Platz 1, Waiblingen.
24. Juli bis 18. Oktober 2026.
galerie-stihl-waiblingen.de
Florentine Holzinger, Étude für Breenzz.
Sunsetstufen am Molo Bregenz,
11. Juli 2026, 18.00 Uhr.
Eintritt frei.
Expanded Fields: TRADIcTION, Samstagern<
Unser Verhältnis zu Traditionen ist widersprüchlich. Ist man nicht gerade Tradwife gelten sie eher als unsexy. Doch es ist ja nicht alles schlecht, was überliefert wurde. Gerade in der Landwirtschaft, die ja nicht zusammen mit dem Kunstdünger erfunden wurde. Auf dem Biohof von Martin Blum in Samstagern geht das Ausstellungsprojekt Expanded Fields in die zweite Runde. In diesem Jahr geht es um Traditionen als Ressourcen für die Zukunft angesichts erschöpfter Böden und fragiler Versorgungssysteme. Daher wird viel Wissen ausgetauscht, etwa wie man Zwiebelzöpfe flicht, traditionelle Besen herstellt, afghanische Pickles zubereitet oder wie man überhaupt fermentiert. Gartenführungen werden angeboten und gemeinsames Kochen. Zu den beteiligten Kunstschaffenden gehören Michael Günzburger, Hanes Sturzenegger, Nora Hauswirth und Tim Zulauf. Günzburger kennt sich mittlerweile ein bisschen auf dem Hof aus. Im letzten Jahr entdeckte er eine alte Mostpresse, die nicht mehr benutzt wird. Und da er 2025 Prints und Zeichnungen von Geräten und Handgriffen, wie sie in der Landwirtschaft üblich sind, machte und weil auch Johannes Gutenbergs Druckpresse nichts anders als eine modifizierte Öl- und Saftpresse war, wird er die Mostpresse ebenfalls umfunktionieren. Tim Zulauf wiederum greift die hoffnungsvolle Nachricht auf, dass manche Bakterien Plastik zersetzen können. Allerdings ist die Kleinstwelt so lebendig, dass sie sich der menschlichen Kontrolle entzieht. Yves Netzhammer hat Tim Zulaufs Texte visualisiert und Nikki Buzzi sie vertont. Entstanden ist so das Theaterprojekt „Fliegende Gärten“. Nora Hauswirth und der Verein Ter Kuno bringen ihre biodiversen, essbaren Waldgärten aus dem Amazonasgebiet in die Schweiz. Ihr Projekt führt Kunst, Landwirtschaft und Wissenschaft zusammen und lädt zu verschiedenen Workshops ein.
Traumwelten, Kulturort Weiertal
Zuerst war der Garten da, ein Naturgarten, dessen Weier dem Tal alle Ehre machte. Früher gab es hier eiszeitlich bedingt viele Weier bis sie trockengelegt wurden. Ein Obstgarten wurde angelegt, ein Biotop entstand. Und dann kam die Kunst ins Weiertal. Das diesjährige Motto „Traumwelten“ hat Kuratorin Maja von Meiss nicht ganz grundlos ausgewählt. Immer schon waren Gärten Orte der Erholung. Doch in politisch turbulenten Zeiten laden sie ein, für begrenzte Zeit einmal die Nachrichten zu vergessen, die längst der reinste Albtraum sind. Traumfänger gibt es in diesem Jahr zahlreich im Garten. Tücher und Netze wurden verspannt. Wenn der Wind durch sie hindurchgeht, glaubt man zu ahnen, was hier geträumt wurde. Und auch in der Galerie haben sich Kunstschaffende mit den Aspekten des Träumens auseinandergesetzt. Gut zwanzig Objekte befassen sich hier mit Erinnerungen, surrealen Welten und auch mit unseren Träumen von einem anderen Leben. Roland Rüegg etwa hat Carrara-Marmor vergoldet, es sieht aus wie Popcorn für das Traumwelt-Kino.
Bex Arts 2026, Szilassy Park Bex
Englische Landschaftsparks bieten in der Regel andere Ausblicke als der Szilassy Park in Bex, gegenüber dem Bergpanorama der Dents du Midi, des Dent de Morcles und Les Diablerets. Seit 200 Jahren gibt es ihn nun mit schönen alten Baumbeständen wie Traubeneichen, Atlaszeder und Rotbuchen. Alle drei Jahre wird er zudem zum Kunstort. 2026 steht er unter dem Motto „Genius de lieu“. Guillaume Barth etwa hat drei bunte Kreise aus Pflanzen angelegt, die hier heimisch sind und denen bestimmte Eigenschaften zugesprochen werden, Hunter Longe erinnert in seiner Arbeit daran, dass Bex über einem alten Meer liegt und daher reich an Salz und Gips ist. Und Ishita Chakraborty hat eine Geranie in botanischer Genauigkeit auf einen baumwollenen Sari-Stoff gedruckt und im Park aufgespannt, als Erinnerung an den kolonialen Ursprung vieler Pflanzen.
Papierkunst-Sommer, Waiblingen
Papier ist flexibel. Man kann fast alles mit ihm machen, es bemalen, reißen oder ihm Volumen geben. In Waiblingen kann man während des zweiten Stipendiums für Zeichnung und Papierkunst einen guten Eindruck von seinen Möglichkeiten bekommen. Vier Stipendiatinnen und Stipendiaten wurden für die Residenz ausgewählt, die zugleich ein Mentorenprogramm ist. Angela Glajcar ist die Hauptstipendiatin und Mentorin. Die Künstlerin hat Papier mit der Zeit als Material für großformatige Arbeiten entdeckt. Aleida van Dijk, Rodrigo Arteaga und Kuan Lin Chen haben die drei Nachwuchsstipendien zugesprochen bekommen. In Waiblingen werden über den Sommer nicht nur gleich zwei Ausstellungen – die Soloschau von Angela Glajcar und die der drei jüngeren Künstlerinnen und Künstler zu sehen sein –, im Vorfeld öffnen alle ihre Ateliers (8., 15. Juli) und geben so einen Einblick in die Papierkunst.
Florentine Holzinger, Étude für Bregenz, Sunsetstufen am Molo Bregenz
Wenn am 11. Juli Florentina Holzingers „Bodensee Étude“ aufgeführt wird, wird Bregenz für einige Stunden an der Lagune liegen. Die einmalige Aufführung am Bodensee ist Teil ihres Beitrags für den Österreichischen Pavillon der Biennale von Venedig. Und all jene, die „Seaworld Venice“ bereits gesehen haben, dürften einige Komponenten wiedererkennen: ein Kran, eine Glocke, zehn Performerinnen, vier Schlagzeuge und ein Gewässer, das unter dem Tourismus leidet. Holzingers Performances vergisst man nicht, sie arbeitet mit Menschen zusammen, die bis zur Selbstverletzung exzessiv sind. Stunts, Motorräder, Haken im Fleisch, Körperausscheidungen, Nacktheit – alles da. Da braucht auch das Publikum starke Nerven. Hat man sich wieder beruhigt, schaut man auf ein zeitgenössisches Ritual zurück. Oder eben ein „Windspiel auf Steroiden“.


