Fruchtig!: Hier geht’s um Kunst

fruchtig Städtische Galerie Offenburg
Emily Mae Smith, Painter, Big Banana, 2014; Nathalie Djurberg, Banana with Four Peels, 2012, courtesy Contemporary Fine Arts, © VG- Bild-Kunst, Bonn 2025, Foto: Bernhard Struass
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19. Januar 2026
Text: Annette Hoffmann

Fruchtig! Malerei, Zeichnung, Skulptur.
Städtische Galerie Offenburg, Armand-Goegg-Str. 2, Offenburg.
Mittwoch bis Freitag 14.00 bis 18.00 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 26. April 2026.
www.galerie-offenburg.de

fruchtig Städtische Galerie Offenburg
Karin Kneffel, Pfirsiche, 1994, © VG-Bild-Kunst, Bonn 2025
Fruchtig Städtische Galerie Offenburg
Claudia Comte, Suspended Marble Raspberry (Study), 2019, © Studio Claudia Comte, Foto: Damien Griffiths

Die Banane darf natürlich nicht fehlen. Doch sie stammt weder von Maurizio Cattelan, der mit ihr einen kalkulierten Skandal auslöste sowie den Erlös von 6,2 Millionen Dollar auf einer Auktion noch von Thomas Baumgärtel. Dessen Spraybananen signalisieren seit Mitte der 1980er Jahre dem Publikum: an diesem Ort geht es um Kunst. Doch beide Arbeiten sind in die Jahre gekommen, was sich mit Obst schlecht verbindet. Die Banane ist stattdessen von Nathalie Djurberg und sitzt in der Städtischen Galerie Offenburg wie ein Krake auf dem Boden. Etwas Heimeliges geht dennoch von ihr aus – sie ist aus bezogenem Schaumstoff und obgleich von ihr nicht mehr als die Schale übrig ist, sieht sie aus wie mit Schokolade überzogen. Früchte haben eine geringe Haltbarkeit, zu ihren schönsten Surrogaten gehört die Kunst.

Die Ausstellung „fruchtig!“ in der Städtischen Galerie Offenburg zeigt Arbeiten aus der Sammlung von Rainer Wild. Der Name seiner Kunststiftung „Am Anfang war der Apfel“ verdeutlicht es, Obst ist von Beginn an mit unserer Kulturgeschichte verbunden. Manchmal geht es um die Frucht selbst, etwa in der unscheinbar kleinen Zeichnung Lucian Freuds von einer Quitte aus dem Jahr 1947. Ihre Form ist auf diese quittenmäßige spezielle Art unregelmäßig, die gelbe Schale hat dunkle Einschlüsse und auch bereits braune Stellen. Dennoch ist sie auf diesem unregelmäßig zugeschnittenen Blatt die Hauptdarstellerin, es ist das Porträt einer Quitte. Bereits in den Stillleben des 17. Jahrhunderts stehen Früchte für die Ambivalenz von Sinnlichkeit und Vergänglichkeit. Auch zeitgenössische Arbeiten zeigen diese Doppeldeutigkeit. Darstellungen von Pfirsichen von Karin Kneffel und Sophie von Hellermann haben etwas von der Sinnlichkeit eines Sommertages, bei „Peach!“ der in Großbritannien lebenden von Hellermann hat die Frucht etwas ausgesprochen Körperliches und birgt auch eine Anspielung auf das Weiße Haus. Arbeiten von Ursula Palla wiederum, die Hagebutten in Bronze darstellt, oder Alicja Kwade, die eine aufgeplatzte Schwarze Tollkirsche vergoldet hat, zeigen herbstliche Früchte, nah an der Vergänglichkeit. Tatsächlich ist das Gift der Tollkirsche je nach Dosierung zudem tödlich. Doch auch die jeweilige Form scheint Kunstschaffende zu reizen. Denn da bringen Nicolas Party und Claudia Comte das Runde ins Eckige. Party hat in nicht eben illusionistischer Weise aus mehreren Steinen bemalte Frucht-Objekte gemacht und Comte aus einem Marmorblock eine Himbeere herausgearbeitet, die in einem Rahmen zu schweben scheint. Bis auf weiteres sind sie konserviert.